Am Samstag, dem 28.06.
fliege ich gegen Mittag mit meiner Tochter von Dortmund nach
London/Luton, allerdings wollen wir diesmal nicht London unsicher
machen, sondern wir durchqueren London nur, um nach Eastleigh, einem
Vorort von Southampton weiter zu reisen.
Unser Ziel war
„The Reading
Room“ (Näheres zum Stück in diesem link:
http://www.independent.co.uk/arts-entertainment/theatre/reviews/reading-room-queen-elizabeth-hall-london-842353.html
),
kurz gesagt eine Tanz Performance, die von Anthony Minghella (dem
Regisseur von „Truly, Madly,Deeply“, der im März verstorben ist) mit
Texten zusammengestellt wurde.
Eigentlich sollte er die Texte lesen, da
er das aber leider nicht mehr kann, haben befreundete Schauspieler wie
in London Juliet Stevenson oder in Eastleigh
Alan Rickman, diesen Part
übernommen. Wir sind natürlich nur wegen des Tanz-Parts nach Eastleigh
gefahren ;-))) -völlig klar!
Nach mehrfachem Umsteigen (von Luton
mit dem Zug nach London St. Pancras, Tube zu London Waterloo, wieder
Zug nach Eastleigh) sind wir glücklich mit unseren Tickets, die wir auf
dem Weg abholen konnten, gegen 17.30h im Hotel, treffen dort einige
andere deutsche und spanische Rickmaniacs, mit denen wir verabredet
waren.
Schnell im Hotel die Nase gepudert und dann gemeinsam mit einem
großen Taxi zu The Point, einem alten, sehr netten, kleinen Theater mit
ungefähr 300 Plätzen.
Die Vorstellung soll um 19.30h beginnen, wir sind
um 18.45h dort und holen uns im Foyer was zu trinken.
Plötzlich fragte
eine der Spanierinnen: „Magst Du Rima?“ „Warum?“ „Weil sie da sitzt!“ –
Ups, das erste Mal weiche Knie an dem Abend, „the man“ scheint also
schon im Haus zu sein.
Kurz vor 19.30 suchen alle ihre Plätze auf, die
Sicht ist eigentlich überall gut, da es nur 30 Reihen gibt. Wir sitzen
in Reihe F, also 6. Reihe, nette Plätze und das für nur 10 Pfund/Karte
(Einheitspreis auf allen Plätzen).
Die Vorstellung beginnt,
schwarze, dunkle Bühne, in der Mitte liegt eine Tänzerin am Boden, und
plötzlich ist sie da, „The Voice“ und dann kann man ihn auch erkennen,
wie er langsam, ganz in schwarz gekleidet, durch eine veränderte
Beleuchtung vom Hintergrund zu unterscheiden ist.
Diese Stimme über
große Teile der anderthalb Stunden wäre allein schon die Reise wert
gewesen, aber die Tänzer haben mich auch sehr fasziniert. Ich hatte
vorher noch nie Kontakt mit modernem Tanz und bin eigentlich mit der
Einstellung hingegangen: „Was tut man nicht alles um AR zu sehen:“,
aber ich war völlig begeistert.
Die Texte waren teilweise richtig
witzig, eine Anleitung für eine Beziehung z.B. geschrieben im Stil
einer Ikea-Aufbauanleitung für Möbel und die Tänzer stellten die
verschiedenen Bauteile dar ("the components are designed to fit: please
do not force them"), die auf die richtige Weise zusammengesetzt werden
sollten.
Manche Sachen habe ich auch nicht so gut verstanden, das waren
wahrscheinlich die Beckett-Teile – aber Beckett versteht ja auch
mancher Englisch-Muttersprachler nicht ;-). Insgesamt ein toller Abend,
ich hätte mir noch einen etwas herzlicheren Applaus gewünscht, speziell
auch für die Tänzer, Alan hat aber reichlich bekommen.
Dann wird
es richtig spannend: Erst wollen wir an der Stage-Door (die in diesem
Fall in den normalen Zugang zum Auditorium und nicht nach draußen führt
– keine Fluchtgelegenheit!) warten, aber das Management von The Point
bittet uns, im Foyer, hinter einer Zwischentür zu warten, falls wir
Autogramme wollen.
Also brav dort gewartet. Plötzlich Bewegung hinter
der Tür und ein uns allen wohlbekanntes Gesicht guckt durch den
schmalen Glasausschnitt in der Tür, wohl um zu sehen, wie viele
verrückte Hühner davorstehen, allgemeines Gegacker bricht los.
Das
Management bittet uns, doch eine Reihe zu machen und plötzlich, ich
weiß nicht warum, stehe ich als erste da und denke mir. „Will nicht
eine andere nach vorne?“, aber dann werde ich auch schon mehr oder
weniger zu ihm hingeschoben durch die Tür (sozusagen für jede
„Privataudienz“), als ERSTE!!!
Scheiße, was soll ich sagen?? „Could I
please have an autograph for my daughter and me?“
Okay, das hab ich
schon mal fehlerfrei hinbekommen. Er signiert freundlich die beiden
SW-Fotos, die ich ihm hinhalte, schreibt meinen skandinavischen
Vornamen, während ich noch buchstabiere, spontan richtig und ist
insgesamt sehr freundlich, scheint aber etwas erschöpft zu sein.
Und
schon bin ich draußen, die Nächste bitte und stelle fest, dass ich
meinen Auftrag, nämlich den Brief einer Freundin an ihn zuzustellen,
nicht erfüllt habe – sch......!!
Ich bitte meine Tochter sich noch mal
anzustellen und ihr Programm signieren zu lassen und ihm dabei den
Brief zu geben.
Bei dieser Gelegenheit erinnere ich mich auch daran,
dass ich ja eine Kamera dabei habe und mache ein Foto von meiner
Tochter und AR, als er das Autogramm gibt. Dann frage ich noch eine
nette Mitarbeiterin von The Point, ob sie auch ein Foto von uns allen
zusammen macht, auch das geht „Cheese!“ – Wir sind glücklich!
Setzen
uns mit ´ner Cola ins Foyer (bloß keinen Alkohol, ich habe den ganzen
Tag noch nix gegessen!) und besprechen mit den Anderen das Erlebte.
Alan kommt aus seiner Autogramm-Ecke , nimmt erst mal Rima in den Arm
und stellt sich dann mit einem Glas Sekt in der Hand zu den Tänzern ins
Foyer, um mit ihnen zu quatschen.
Wir sitzen da und glauben´s nicht –
hey, da steht Alan Rickman und ich sitze hier und nuckle seelenruhig an
meiner Cola – komm, kneif mich! Er steht bestimmt noch einen halbe
Stunde im Foyer, bevor sich der ganze Künstler-Tross auf den Weg ins
Zentrum von Eastleigh macht, um noch was zu essen.
Die gleiche Idee
hatten wir auch und wir laufen ungefähr 5m vorneweg nach
Eastleigh-City-Centre (5min zu gehen) und hinter mir höre ich die
charakteristische Stimme und denke mir wieder –Kneif mich!
Hinter mir
läuft AR und ich habe keinen Herzinfarkt, komisch! Die Theater Gruppe
um AR verschwindet in ein Lokal, das uns eindeutig zu teuer erschein
für unseren Geldbeutel und uns bleibt die Wahl zwischen KFC, Chinese
Take Away oder Pizza Take Away. Das letztere scheint und das kleinste
Übel und wir sitzen mit zwei Pizzen im Park in Eastleigh, zeigen uns
gegenseitig unsere Fotos und können´s echt noch nicht glauben
.
Zusammenfassend:
Wie ist er denn? Freundlich, sehr englisch, „keeps his distance“. Er
wirkt aber auch sehr normal, findet auch zu viel Getue um seine Person
blöd, deshalb glaube ich, dass er so kleine Veranstaltungen wie in
Eastleigh mehr schätzt als Potter-Premieren mit Absperrungen und
Gekreische.
Ich fand auch schön, dass sich alle Fans sehr respektvoll
benommen haben und ihn in Ruhe gelassen haben, als sie ihr Autogramm
hatten. Wenn mir eine intelligente Frage eingefallen wäre, hätte er sie
sicher auch beantwortet, hat er bei anderen auch getan, aber in meinem
Hirn herrschte irgendwie Leere, ich war nur perplex und habe mich
gewundert.....
Mein Tip, wenn ihr ihn treffen wollt: Geht zu einer
kleinen Geschichte, Charity oder sowas, oder vielleicht zu Creditors im
Herbst (wenn man da wüsste wann er da ist), dort dürfte seine Stimmung
und die Chance auf ein Autogramm deutlich besser sein, als bei einer
Premiere. Ich bin erst mal noch glücklich und zufrieden, aber wer weiß,
vielleicht nächstes Jahr mal wieder nach UK????
Eure Gisi